Reisebericht Japan
Rundreise
durch das Land der aufgehenden Sonne
Im Herbst des vorletzten Jahres unternahmen wir eine unserer interessantesten Reisen - eine Rundreise
durch Japan.
Die Tour führte uns
kreuz und quer
über die Insel Honshu, von Tokyo bis Hiroshima, in die Berge, zu
Tempeln, Schreinen und alten Bauerndörfern - und trotz der Sprachbarriere auch zur japanischen Bevölkerung. Als Verkehrsmittel erwarteten uns
Flugzeuge, Busse, Taxis, Fähren, Boote, U-Bahnen, Straßenbahnen und als
Höhepunkt der Shinkansen- Express...
Hier ein Überblick
über das Reiseprogramm:
Reisebericht Japan
Tokyo
Nikko
Kamakura
Fuji-Hakone
Nationalpark
Kawaguchiko
Matsumoto
Takayama
Shirakawa-go
Kanazawa
Eiheiji
Kyoto
Uji
Nara
Koya-san
Himeji
Hiroshima
Miyajima
Mein Buchtipp!
Seit Jahren besuchten wir verschiedene Regionen Asiens, von arm bis reich. Wir reisten von hypermodernen Cities bis in den tiefsten Dschungel, kamen mit unseren Englischkenntnissen stets weiter und konnten problemlos mit Taxifahrern kommunizieren, nach dem Weg fragen oder Fahrkarten kaufen. Die Länder ähnelten doch irgendwie einander, zumeist hat die koloniale Geschichte tiefe Spuren auch in der Kultur hinterlassen. Stets war der große, wenn auch vergangene Einfluss Englands, Frankreichs, Hollands bzw. die Allmacht Chinas zu spüren. Diesmal sollte alles ganz anders werden.
Japan - es erschien uns unerreichbar, fremd, fern, kompliziert und vielleicht deshalb als Reiseziel besonders reizvoll und faszinierend. Nach mehreren Anläufen entschieden wir uns zu einer geführten Rundreise durch Japan. Die Frage, ob Japan zur Kirschblüte oder besser zur Herbstlaubfärbung zu bereisen sei, entschieden wir - so meinen wir im Resümee - vermutlich richtig und reisten im November.
Es waren 14 aufregende und unvergesslich schöne Tage. Vorbereitet durch die Lektüre sehr amüsanter Bücher zur japanischen Kultur und Geschichte, zu skurrilen Regeln, Eigenheiten und Angewohnheiten dieses Inselvolkes, gelang uns zumindest einiges des Ungewöhnlichen zu verstehen und uns dabei glänzend zu unterhalten. Japaner ticken anders. Dieser Reisebericht kann nur einige Impressionen der Rundreise wiedergeben. Das Erlebnis Japan umfassend in Wort und Bild darzustellen, wird uns nicht gelingen. Betrachtet das Folgende also einfach als Streifzug durch eine dem Europäer unbekannte Welt, dem Land der aufgehenden Sonne:
Unsere Reise begann in Frankfurt. Wir flogen zuerst nach Frankreich, denn der Interkontinentalflug nach Japan startete in Paris. Eine Boeing der Air France brachte uns wieder einmal in asiatische Gefilde.
Japanischen Boden betraten wir erstmals auf dem Flughafen Tokyo-Narita. Dieser internationale Flughafen liegt etwa 60 Kilometer nordöstlich von Tokyo und war wohl bereits zum Zeitpunkt des Baubeginns nicht das Traumprojekt der japanischen Bevölkerung. Wir lernten später, dass ein lokaler Geflügelzüchter sich strikt weigere, die Farm, die auf dem Gebiet einer Startbahn liege, zu verlassen. Es gehe sogar so weit, dass die Jumbos der Airlines einigermaßen knapp über dem Dach des Gebäudes hinwegfliegen... Aha, wir waren also in Japan angekommen.
Impressionen - Reisebericht
Tokyo
Wir nutzten den ersten Abend zu Erkundungen der näheren Umgebung unseres Hotels.
Da waren wir also. Moderne Häuserfronten, sehr saubere Straßen und Plätze, U-Bahnstationen, eine irrsinnige Menge Getränkeautomaten, moderne Autos und - emsig in schnellen kleinen Schritten umherlaufende, nahezu permanent in die Displays ihrer Mobiltelefone vertiefte Japaner. Bei einem Test fand unser Smartphone dann 14 (!) WLAN-Netze sogar noch im Hotelzimmer.... Auch konnten wir gleich das große Sicherheitsbedürfnis der Japaner feststellen. Ein geöffneter Gullideckel führte zu großer Aufregung. Mit Schutzhelm, Leuchtstab und beleuchteter Absperrung versehen, sicherte man die bedeutsame Baustelle ab.
Am nächsten Morgen hatten wir bei einer Stadtrundfahrt die Gelegenheit, die Metropole zu entdecken. Als erstes besuchten wir den Palast des japanischen Kaisers - wenn für uns auch nur von außen zu bestaunen.
Kaiserpalast Tokyo
Der Kaiserpalast von Tokyo ist die Residenz des Tenno, des japanischen Kaisers, und liegt im ehemaligen Gelände der Burg Edo. Umgeben von Wassergräben und hohen Steinwällen stellt sie für die kaiserliche Familie ein Bollwerk gegen den Trubel der Millionenstadt dar, auf jeden Fall wird aber auch spätestens hier jedem Fremden das Traditionsbewusstsein des japanischen Volkes vor Augen geführt. Selbst wenn Japan eine muntere parlamentarische Demokratie mit Zweikammersystem darstellt, das Staatsoberhaupt ist und bleibt der Kaiser.
Das nächste Ziel war der Meiji-Schrein, gewidmet dem Kaiser Meiji und eine der bedeutendsten Kulturstätten Japans.
Meiji-Schrein
Die Anlage ist, wie auch alle später von uns besuchten Schreine und Tempel, in hervorragend gepflegtem Zustand und von der Bevölkerung sehr gut besucht. Neben der Haupthalle findet man auch Bereiche, wo auf Täfelchen aufgezeichnete Wünsche nach Glück, Gesundheit, sicher auch nach Liebe und Reichtum ihrer Erfüllung entgegen sehen. Nun ist vielleicht der richtige Zeitpunkt, einige Worte zur japanischen Glaubenswelt zu verlieren. Viele Japaner heiraten nach schintoistischem Ritual, lassen sich jedoch buddhistisch beerdigen, sie sind also Schintoisten und Buddhisten in einem. Zu allem Überfluss schicken sie ihre Kinder aber auch auf christliche Schulen. Warum nicht, wenn es die allzeit präsenten Regeln der Gesellschaft zulassen...
Panoramablick über Tokyo
Weiter ging es ins Zentrum der City. Westshinjuku - vom Höhenrestaurant des Bürogebäudes der Stadtverwaltung Tokyo bietet sich ein herrlicher Panoramablick über Tokyo. Der gewaltige Verwaltungskomplex mit tausenden von Beschäftigten teilt sich in den oberen Etagen in zwei Türme auf, mit dem Aufzug erreicht man damit den höchsten Punkt Tokyos.
Landschaftsgarten Hama Rikkyu und eine
Schiffahrt auf dem Sumida-Fluss
Nach der Mittagspause unternahmen wir einen herrlichen Spaziergang durch den Landschaftsgarten Hama Rikkyu, mitten in der City und bestiegen ein Boot zur Fahrt auf dem Sumida Fluss.
Am frühen Abend erreichten wir mit dem Bus den Stadtteil Asakusa um den Sensoji-Tempel mit dem Kaminarimon-Tor und der prächtigen Pagode zu besichtigen. In der näheren Umgebung findet sich eine Art Markt. Souvenirs, aber auch allerlei interessante Naschereien warten hier auf Käufer.
Dann die erste Bewährungsprobe! Am Abend unternahmen wir einen Ausflug mit der U-Bahn zur Ginza. In Tokyo gibt es 13 verschiedene U-Bahn-Linien, dabei ist es prinzipiell nicht schwierig den Netzplan zu verstehen. Allerdings sind die Tasten der einigermaßen komplexen Fahrkartenautomaten ausschließlich in japanischen Schriftzeichen beschildert. Um es auf den Punkt zu bringen - ohne vorher Japaner zu beobachten und sich die Reihenfolge deren Tastendrücke zu merken, sieht es mit der Bedienung etwas ungünstig aus... Nach der Fahrt im restlos überfüllten Zug erreichten wir stolz Ginza, das Einkaufsviertel für den gut betuchten Japaner. Es finden sich verschiedene zumeist teure Geschäfte und Kaufhäuser, in den Seitenstraßen liegen Bars und Restaurants. Hier haben wir auch erstmalig eine Geisha zu Gesicht bekommen.
Am nächsten Morgen stand ein Ausflug nach Nikko auf dem Programm.
Nikko
Die Fahrt ging durch den Nikko-Nationalpark zuerst zu landschaftlichen Schönheiten des Nationalparks, wie
dem See Chuzenji und dem Kegon-Wasserfall.
See Chuzenji und Kegon-Wasserfall
Der See Chuzenji hat einen Umfang von etwa 25 Kilometern und liegt 1.269 m über dem Meer, er ist damit einer der höchsten Seen Japans. Der Kegon-Wasserfall stürzt ca. 100 m in die Tiefe und soll auch bei Selbstmördern beliebt sein.
Später erreichten wir dann den Tempelbezirk Toshogu / Rinnoji. Die grimmig dreinschauenden Tempelwächter begrüßten uns warnend - aber nein, keine Angst wir kamen nicht als böse Geister zu Besuch.
Tempelwächter, eines der zahlreichen
schönen Gebäude und die Herbstlaubfärbung
In der Umgebung des Tempels bekamen wir auch erstmals Eindruck von der wunderschönen Herbstlaubfärbung, die doch unsere Reisezeit bestimmt hatte.
Ein Wahrzeichen, für das Nikko weltbekannt ist, sind die drei Affen.
...nichts sehen, nichts hören, nichts sagen.
Symbolisch halten sie sich die Augen, Ohren und den Mund mit den Händen zu,
sie wollen nichts (Böses) sehen, nichts (Böses) hören, nichts (Böses) sagen. Nikko wird bei Rundreisen zumeist als optionales Reiseziel angeboten und ist extra zu bezahlen. Einmal in Japan, sollte man es keinesfalls versäumen, den Tempelbezirk zu besuchen!
Wir hätten gern den ganzen Tag in der Anlage verbracht, immer aufs Neue eröffnen sich tolle Blicke auf liebevoll gestaltete Gebäude,
aufwendige Schnitzereien und komplizierteste Dachkonstruktionen aus Holz. Dabei ist alles bunt bemalt, zum Teil vergoldet und in einem hervorragenden Zustand.
Zurück in Tokyo sollte der letzte Abend in der Hauptstadt dem Shibuja gehören.
Shibuja -Leuchtreklame sowie die große Shibuja-Kreuzung
vor und während der Fußgängerinvasion
Dieser schillernde Stadtteil voller junger Menschen, Shops, Leuchtreklamen und einer verrückten Kreuzung nahe dem Bahnhof, findet sich in fast jedem Reisebericht. Innerhalb einer einzigen Ampelphase überqueren bis zu 15.000 Menschen die Shibuja-Kreuzung - welch' ein Wunder der Verkehrsplanung. Shibuja ist der Treffpunkt der Hauptstadt-Jugend und Anziehungspunkt für Gäste aus aller Welt. Eine interessante Sehenswürdigkeit und ein beliebter Treffpunkt in Shibuya ist auch die Statue des Hundes Hachiko. Der Hund Hachiko hatte nach dem Tod seines Herrchens zehn Jahre lang jeden Tag an der Haltestelle auf ihn gewartet. Es war uns kaum möglich, diese kleine Statue zu fotografieren, viele junge Japaner drängten sich um Hachiko, streichelten ihn und fotografierten sich gegenseitig mit
ihren Fotohandys.
Kamakura
Nun hieß es vorerst von Tokyo Abschied zu nehmen. Nach dem Frühstück fuhren wir an die Pazifikküste nach Kamakura, welche Ende des 12. Jahrhunderts Sitz des ersten Shogunats des Landes wurde.
Nach einer kurzweiligen Fahrt, vorbei auch an einem großen Pazifik-Hafen, näherten
wir uns dem berühmten Großen Buddha, der zweitgrößten bronzenen
Buddha-Statue des Landes.
Buddha Daibutsu
Der Buddha Daibutsu hat eine Masse von über 90 t und gilt als schönste
Buddha-Statue Japans. Seit 1252 blickt er nun freundlich auf die ihn verehrenden
Gläubigen.
Dann besichtigten wir nach einem kurzen Weg den nicht weniger
eindrucksvollen Hasedera-Tempel.
Hasedera-Tempel
Die Tempelanlage ist ebenso faszinierend und einen Besuch wert!
Am Nachmittag ging es weiter zum Fünf-Seen Gebiet im Fuji-Hakone Nationalpark. Wir hofften von hier aus einen herrlichen Blick auf den heiligen Berg Fujisan zu finden, leider verbarg sich der Fuji hinter tief hängenden Wolken. Wir besuchten u. a. ein kleines Städtchen und fuhren dann weiter zu unserer Unterkunft.
Kawaguchiko
Unser Hotel, traumhaft an einem See zu Füssen des Fuji gelegen, bot aber auch allerlei andere für uns neue Bilder und Eindrücke. Japaner, welche zum Abendessen in Bademantel und Badeschuhen erscheinen, ein Hotelbediensteter, welcher es nicht übers Herz bringt, uns die für alle offensichtliche Wahrheit zu verkünden, dass am nächsten Tag wiederum dichte Wolken den Blick zum Fuji versperren würden... Lustig, ihm war klar, dass wir es mittlerweile auch ahnten - aber er wollte uns den Aufenthalt unter keinen Umständen beeinträchtigen. Er hätte wohl alles dafür gegeben, die Wolken für uns wegschieben zu
können - das sind eben Japaner. :-) Aber keine Angst, wir sollten später noch einen tollen Blick auf den japanischen Berg der Berge erleben.
Ein Spaziergang durch ein am Wege liegendes wunderschönes Tal entschädigte uns
vorerst für den entgangenen Ausblick.
Matsumoto
Nach dem Frühstück fuhren wir durch eine eindrucksvolle Landschaft nach Matsumoto. Hier besichtigten wir eine der am besten erhaltenen Burgen des Landes. Die Wehranlage wurde im 16. Jahrhundert errichtet und ist aufgrund ihres schwarzen Anstrichs auch als Krähenburg bekannt.
Krähenburg in Matsumoto
Die Burg Matsumoto ist eine der schönsten Burgen Japans. Noch original erhaltenen ist sie Teil des offiziellen Nationalschatzes Japans.
Am Nachmittag überquerten wir auf der Weiterfahrt nach Takayama die japanischen Alpen. Es bot sich uns ein Blick auf die über 3.000 m hohe Bergkette. Dennoch, der Fujisan war wiederum nicht zu erblicken - Wolken verdorben uns die Sicht.
Takayama
Nach der Übernachtung in Takayama besuchten wir gleich zu Tagesanbruch einen morgendlichen Markt, wo viele landwirtschaftliche Produkte der Umgebung angeboten wurden. Hier probierten wir an einem Stand auch einheimische Ramensuppe, geschmeckt hat es aber nicht wirklich.
Altstadt von Takayama
Takayama hat eine gut erhaltene Altstadt mit traditionellen Häusern, Sake-Brauereien und Souvenirshops. Auch besuchten wir die ehemalige Provinzverwaltung. In früheren Zeiten hockten die Beamten auf den kleinen ausgestellten Bänken, in den Räumen stapelten sich damals Säcke mit Reis und andere Abgaben.
Shirakawa-go
Am Mittag ging die Fahrt weiter nach Shirakawa-go, einem malerischen Dorf mit strohgedeckten Bauernhäusern (UNESCO-Weltkulturerbe).
Bauerndorf
Shirakawa-go
Bei einem Spaziergang im Dorf und dem Besuch verschiedener zur Besichtigung stehender uralter Häuser, fühlt man sich um hunderte Jahre zurück versetzt.
Im Anschluss startete unsere Weiterfahrt nach Kanazawa.
Kanazawa
Unser Hotel lag zentral, der Abend gehörte einer ausgedehnten Stadterkundung, bei der wir auch einen "deutschen Bäcker" fanden. Nun ja, er gab sich zumindest Mühe.
Landschaftsgarten Kenrokuen
Am Vormittag besichtigten wir das alte Nagamachi-Samuraiviertel, den Landschaftsgarten Kenrokuen und Teile der naheliegenden Stadtburganlage Kanazawa Castle.
Eiheiji
Eihei-Kloster
Am Nachmittag fuhren wir in die Berge, weiter zum Eihei-Kloster, einem wichtigen Zentrum des japanischen Zen-Buddhismus. Hier huschten immer wieder in Eile befindliche Mönche in braunen Gewändern an uns vorbei, das klosterinterne Leben scheint streng reglementiert, zumindest der Tag aber gut ausgefüllt zu sein. :-)
Kyoto
Am Abend erreichten wir die Stadt Kyoto, wo unser Hotelzimmer auf uns wartete. Die alte Kaiserstadt Kyoto ist neben Tokyo eines der bedeutendsten Reiseziele Japans. Vom Jahre 794 bis 1868 war Kyoto die Kaiserresidenz und damit die wichtigste Stadt des Reiches. Viele Tempel, Schreine und Gärten laden in und um Kyoto zum Besuch ein, für uns gab es jedoch einen absoluten Favoriten, dessen Besuch wir keinesfalls verpassen wollten - den Goldenen Pavillon.
Vorher aber besuchten wir den Ryoanji-Tempel in dessen zugehörigem Garten ein malerisch schöner See zum Ausruhen einlädt.
Ryoanji-Tempel-See und Zen-Garten
Im Ryoanji-Tempel selbst befindet sich neben anderen Sehenswürdigkeiten ein besonderer Zen-Steingarten. In ihm sind 15 kleine Felsblöcke als Inseln des Lebens auf geharktem weißen Sand, dem Ozean des Lebens, aufgestellt. Dabei sind, wie man sagt, aus keinem Blickwinkel gleichzeitig alle Felsen zu erkennen. Zumindest auch uns ist es beim Fotografieren tatsächlich nicht gelungen, alle Steine gleichzeitig ins Bild zu bekommen.
Weiter ging die Stadtrundfahrt. Endlich war es soweit, der nächste Höhepunkt Kyotos - der
Kinkakuji-Tempel - war an der Reihe. Dieser auch < Goldener Pavillon > genannte Tempel wurde ursprünglich von einem Shogun errichtet, brannte
leider bereits einmal ab und wurde aber wieder aufgebaut.
Goldener Pavillon
Bei Interesse findet
man dieses Foto auch in unserer
Fotogalerie.
Nach dem Besuch des Kinkakuji führte uns die Rundfahrt zum Kaiserpalast. Der ehemalige Wohnbereich des Kaisers ist mit komplizierten, für den ungebetenen Besucher kaum zu umgehenden Sicherheitsvorkehrungen ausgestattet. Die interessanteste "Alarmanlage" ist dabei das Nachtigallen-Parket. Jeder Schritt über den Holzfußboden erzeugt ein zwitscherndes Geräusch, die Wärter wussten also sofort Bescheid. Der angrenzende Ninomaru-Garten ist auch einen Besuch wert, Reiseführer beschreiben ihn als Kunstwerk mit außergewöhnliche Steinen, perfekten Steinkompositionen, Wasserläufen, Teichen, Kiefern mit Wolkenschnitt,...
Kiyomizu-Tempel über Kyoto
Am Nachmittag unternahmen wir einen Spaziergang durch malerische Gassen hinauf zum Kiyomizu-Tempel, von wo aus sich ein
guter Blick auf die einzelnen Gebäude des Tempels, aber auch auf die Stadt bietet.
Später schlenderten wir durch Gion, dem Geisha-Distrikt und hofften, eine echte Geisha zu
sehen - wir trafen aber immerhin zwei Meikos.
Meikos
Nach einem Einkaufsbummel am Abend starteten wir am nächsten Morgen einen Ausflug zu den Städten Uji und Nara.
Uji
In Uji besichtigten wir die Phönixhalle des Byodoin und den Paradiesgarten, leider war hier das Fotografieren des Buddha verboten.
Nara
In Nara, der Wiege der japanischen Kultur, erwartete uns ein weiteres Highlight der Reise, die größte bronzene Buddha-Statue der Welt.
Todaiji-Tempel mit dem Daibutsu
Im Todaiji-Tempel kann man Daibutsu bestaunen. Er sitzt mit weiteren Buddhas in - wie man sagte - einem der größten Holzgebäude der Welt.
Nachdem wir dann auch noch den Kasuga-Schrein mit den Unmengen von Laternen besucht und so den Nara-Park ausgiebig inspiziert hatten, fielen wir erschöpft in die Sitze des bequemen Reisebusses.
Am Abend kehrten wir nach Kyoto zurück und besuchten mit der U-Bahn (nun alles kein Problem mehr) den absolut sehenswerten Hauptbahnhof. Außer dem eigentlichen Bahnhof befindet sich im Gebäude ein riesengroßes Einkaufszentrum mit mehreren Kaufhäusern und mehreren Etagen voller teurer und preiswerter Restaurants. Die Handhabung der Automaten zum Erwerb eines Essen-Kupons im preiswerten Nudelrestaurant in der Restaurantmeile war nicht ganz so einfach ... dafür aber ist Schlürfen beim Nudelessen in Japan nicht nur erlaubt, sondern gehört zu den guten Tischmanieren... Vor dem Gebäude warteten so weit das Auge reichte Taxis auf Kundschaft, in der unmittelbaren Nähe befindet sich auch der Kyoto Tower.
Hier ein kurzer Einwurf zu japanische Besonderheiten. Sehenswert, ja nutzenwert sind japanische Toiletten.
Es gibt Versionen mit beheiztem Sitz, mit Tasten für Musik - zum Verschleiern der eigentlichen Verrichtung- und solche mit einer integrierten Dusche...Eigentlich
wollte ich auch dazu ein entsprechendes Foto einfügen, vielleicht eröffne ich
aber auch eine gesonderte Rubrik.
... aber zurück zur Rundreise. Früh am Morgen warteten wir bereits vor der Öffnungszeit am Eingang des Ginkakuji-Tempels. Leider war der silberne Pavillon für uns nicht zu bestaunen. Er war wegen Restaurierungsarbeiten abgedeckt, sichtbar war jedoch, dass er derzeit definitiv nicht silberfarben war. Dennoch, der zugehörige Garten ist einige Fotos für's Album wert. Weiter zum Heian-Tempel mit dem umgebenden Shin'en-Garten gereist, wurden wir aber sogleich entschädigt.
Der Heian-Tempel wurde 1895 anlässlich des 1100. Jahrestages der Gründung Kyoto's erbaut. Im Garten schlendert man auf Wegen um einen großen Teich mit einer chinesischen Brücke. Auffällig ist ein im Garten aufgestellter historischer Straßenbahnwagen, er soll aus dem Jahre 1895 stammen und in Kyoto im Einsatz gewesen sein.
Heian-Tempel
In der Anlage waren viele nett gekleidete kleine Kinder mit Ihren Eltern unterwegs. Sie feierten das Shichi-go-san-Fest (7-5-3 Fest). Dieses ist ein Höhepunkt für 3- und 7-jährige Mädchen bzw. für 3- und 5-jährige Jungen. Am 15. November jeden Jahres werden die Kinder dieses Alters in ihrer besten Kleidung - im Kimono - von ihren Eltern oder Großeltern zum Schrein geführt, um sich bei den dortigen Gottheiten für das bisherige Wohlergehen zu bedanken und für das zukünftiges Glück zu beten.
Weiter führte die Fahrt zum Shinto-Schrein Fushimi Inari-Taisha.
Fushimi Inari-Taisha mit den Torii
Eine Besonderheit stellen hier die hunderten von roten Torii auf dem Gelände dar - man kann praktisch durch eine Bogenallee spazieren. Es handelt sich um Spenden von Privatpersonen oder Firmen, die Größe der Spende bestimmt jeweils die Größe des Bogens.
Koya-san
Am Nachmittag fuhren wir auf den Koya-san, den heiligen Berg des Shingon-Buddhismus, und erreichten unser Ziel bei einbrechender Dunkelheit.
Sonnenuntergang auf dem Weg zum Koya-san, uralter Friedhof
In einer schauerlich düsteren Atmosphäre spazierten wir über Japans bekanntesten Friedhof - uralte Gräber, eingerahmt von einem Zypressenwald, bilden einen gruseligen Hintergrund. Der Weg ist gesäumt von Statuen, Monumenten und Gräbern der einflussreichsten Familien Japans. Viele wollen, hoffend auf eine bessere Wiedergeburt, in der Nähe des großen Heiligen beerdigt werden. Allerdings stießen wir auch auf sehr ungewöhnliche Grabsteine. Es fanden sich eine große Kaffeetasse auf der Grabstelle einer Kaffeefirma oder auch eine Rakete, die eine andere Firma repräsentierte.
Was nun anstand, wollte gut vorbereitet sein - eine Übernachtung in einem Kloster auf dem Koya-san. Klar, einmal im Leben sollte man in einem Kloster übernachten - das gilt auch für Sachsen aus dem fernen Deutschland.
Da wir im Vorfeld ahnten, was uns an kulinarischen Raritäten erwarten würde, hatten wir an einer Raststätte eingekauft und konnten uns zur Not auch als "Selbstversorger" behaupten. Wir taten gut daran...
Kloster auf dem
Koya-san
Nach dem Bezug unserer Räumlichkeiten - dass wir auf dünnen Fußbodenmatratzen würden schlafen müssen, hatte sich herum gesprochen - begann das Abendessen.
Was es im Kloster zu Essen gab? Hier unser Speiseplan: Reis, Tempura, Inari-Sushi aus Gemüse und Tofu, Suppe mit Tofu, verschiedene eingelegte Gemüse, Melone, Fischbrühe und Tee. Teilweise war es für uns nicht wirklich genießbar, alles hing an einem Faden ...
Ach ja, die Sache mit den Schuhen. Die waren verboten und standen im Regal am Eingang. Die Parole lautete - nutzt Pantoffeln. Pantoffeln sind jedoch nicht gleich Pantoffeln und bekanntlich soll das in fast allen japanischen Haushalten so sein. Mit den Normal- oder Hauspantoffeln auf Toilette zu gehen, sollte man vermeiden. Dafür gibt es im Toilettenvorraum extra Toilettenpantoffeln, die beim Verlassen der Toilette wieder ausgezogen werden müssen. Nichts wäre peinlicher, als mit den Toilettenpantoffeln durch das Haus zu laufen - ich habe es damit glatt bis zum Zimmer geschafft, meine Frau schickte mich natürlich wieder zurück zum Klo... :-).
Um 21:00 Uhr wurde der Eingang verschlossen, die Schuhe wurden gezählt und somit war ein Verlassen des Klosters nicht mehr möglich. Rauchen damit auch nicht mehr. :-(
In einer besch____ Nacht auf dem Fußboden, bei quasi ungedämmten Wänden zum mit Schnarchern belegten Nachbarzimmer und ebenso ungedämmten Wänden nach draußen, hielt uns einzig ein nerviger Elektroheizlüfter am Leben....
Um 6:00 Uhr begann die Morgenzeremonie im Tempelraum. Der Gebetsraum war kalt, wir hockten wiederum auf dem Fußboden und froren - aber es war hoch interessant! Nach der Morgenzeremonie gab es Frühstück. Eine große Schale Reis, Fischbrühe, Kraut und Tofu mit einer sauren Sojasauce und
heißer grüner Tee standen bereit. Wie gesagt - wir waren Selbstversorger.
Zusammenfassend möchten wir sagen, dass wir dieses Erlebnis nicht missen möchten, jedoch auch nicht wiederholen werden...
Nach dieser eindrucksvollen Übernachtung starteten wir in Richtung Himeji.
Himeji
Die größte und schönste Burg Japans, die - Burg des weißen Reihers - wartete auf uns.
Himeji-Burg
Die Himeji-Burg ist absolut beeindruckend. Sie ist innen wesentlich geräumiger, als es von außen den Anschein hat - selbst die Etagen sind aus Gründen der Täuschung innen anders aufgeteilt, als die Fenster von außen vermuten lassen. Im Inneren sind alte Samurai-Schwerter und Rüstungen zu bestaunen, Schautafeln berichten über die Geschichte.
Im Hof findet man auch den sagenumwobenen Okiku´s Brunnen und einen Platz, auf dem früher Harakiri durchgeführt wurde. Man hat uns detailliert erklärt, wie das Messer
nach dem Stoß in den Bauch zu führen ist. Das Ganze hatte aus Gründen der Ehre übrigens lautlos über die Bühne zu gehen - ist klar.
Auf dem Weg zum Parkplatz trafen wir auf einen aufgeregten, wild umherspringenden Kämpfer, welcher die Touristen "bedrohte". Nette Idee, solange es Spaß ist.
Im Anschluss besuchten wir auf dem Weg nach Hiroshima den Korakuen-Landschaftsgarten in
Okayama.
Korakuen-Landschaftsgarten
Hiroshima
Am Abend erreichten wir Hiroshima und starteten sogleich die Stadtbesichtigung mit einer kleinen Wanderung in den umliegenden Straßen des Hotels.
Nach dem Frühstück fuhren wir mit der Straßenbahn ich Richtung eines Fährhafens. Weiter ging es mit einer Fähre zur nahe gelegenen Insel
Miyajima. Hier befinden sich ein bekannter Schrein mit einem scheinbar im Wasser schwebenden Torii, eine
Pagode und ausreichend Souvenirshops. Das berühmte Tor des Schreins schwebt rot glänzend im Wasser und stellt ein hervorragendes Fotomotiv dar.
Das schwebende Torii gehört zum Itsukushima-Schrein
Der Itsukushima-Schrein selbst ist ebenso absolut einen Besuch wert, und wird auch sehr verehrt. Wir sahen ein Hochzeitspaar, welches hier aufwendig eine Fotosession inszenierte.
Zurück in Hiroshima besuchten wir am späten Nachmittag das Friedensmuseum und unternahmen
einem Gang durch den Friedenspark.
Dem Leser ist die traurige Geschichte der Stadt sicherlich bekannt, ich werde deshalb nicht weiter darauf eingehen.
Im Friedenspark von Hiroshima
Im Peace Memorial Park gibt es zahlreiche kleinere und größere Gedenkstätten, sehr eindrucksvoll ist die Ruine der ehemaligen Handelskammer. Insbesondere der Besuch der Ausstellung im Friedensmuseum löst eine große Beklemmung bei den Besuchern
aus.
Am Abend gingen wir alle zusammen Okonomi-yaki, eine typische Spezialität der Küche von Hiroshima, speisen. Das Restaurant war in einem Hochhaus untergebracht, wobei sich in jeder Etage dieses Gebäudes diverse kleine Restaurants befanden. Das besondere war, dass das Essen auf einer großen Edelstahlplatte direkt vor unseren Augen zubereitet wurde.
Am Morgen der Abreise fuhren wir früh mit dem Taxi zum Bahnhof. Die Fahrt in einem Shinkansen-Superexpress bildete das letzte Highlight der Rundreise und brachte uns zurück nach Tokyo.
Mit dem Shinkansen unterwegs, vorbei am Fujisan
Auf speziell dafür errichteten Strecken rasen diese Expresszüge kreuz und quer durch Japan. Unser Zug war mit knapp 300 km/h unterwegs, dabei huschen Gebäude, Brücken und Bäume am Fenster nur so vorbei. Es war ein Erlebnis, auch die Pünktlichkeit ist sprichwörtlich. Man kann seine Uhr danach stellen, wann Stationen erreicht werden bzw. wann die kurzen Aus- und Zusteigestopps wieder beendet sind.
Auf dieser Fahrt gelang uns auch endlich ein Blick auf den Fuji, ein Japaner hatte mir auf die Minute genau vorhergesagt, wann der Fuji links der Strecke ins Blickfeld kommen würde. So geschah es.
Ab Tokyo flogen wir wieder über Paris nach Deutschland zurück und kehrten voller neuer Eindrücke heim.
Leider endet hier unser Reisebericht aus Japan, denn nach 14 Tagen Aufenthalt ging dieser außergewöhnliche Urlaub leider zu Ende. Wir hoffen, bei der Vielzahl von Tempeln und Schreinen stets die Schreibweise korrekt, die Bedeutung plausibel und die Fotos zugehörig aufgelistet zu haben. Sollten uns hier Fehler unterlaufen sein, so bitten wir freundlich um Verständnis und Hinweis.